Kollaboration 2001 – 2021: Was hat sich getan?

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Zwischen 2001 und 2021 war Tech befeuerte Kollaboration immer ein zentrales Thema

Den nachfolgenden, bislang unveröffentlichten Beitrag verfasste ich im Mai 2001, vor über zwanzig Jahren. Ich habe ihn an keiner Stelle geändert!

 

Kollaboration – aber richtig! (Mai 2001)

Kollaboration regiert die Web-Welt. Kollaboration bewährt sich überall dort besonders, wo eine Vielzahl unterschiedlicher Branchen in komplementären Rollen hoch arbeitsteilig an der gemeinsamen Entwicklung und Realisierung von Produkten und Dienstleistungen mitwirkt. Warum? Weil Kollaborationstools diese heterogenen Teilnehmer, die zudem an verschiedenen Positionen in Raum und Zeit wirken, an einen gemeinsamen Tisch holen und an den selben, stets aktuellen Unterlagen arbeiten lassen können. Es werden klassische Fehlerquellen eliminiert und es werden Reise-, Transport und Logistikkosten gespart.

Technisch ist Kollaboration inzwischen keine fundamentale Herausforderung mehr. Es ist ohne weiteres möglich, die unterschiedlichsten Dokumentenformate und die unterschiedlichsten Programme über den Browser sinnvoll und nahtlos miteinander kommunizieren zu lassen. Es ist selbstverständlich möglich, Zugriffsrechte zentral oder dezentral über den Browser zu managen und Dokumente nicht nur gemeinsam zu betrachten, sondern auch gemeinsam zu bearbeiten sowie intelligent und vor allem sicher auf Web-Servern zu archivieren.

Die Herausforderung besteht darin, die Möglichkeiten dieser Technologien auf branchenspezifische Bedarfe zu projizieren und zu Lösungen fortzuentwickeln. Denn mittlerweile macht sich Skepsis breit, ob denn jene Tools, die das Kollaborieren möglich machen, allein schon Heil und Segen bringen können. Eine Studie der Ernst & Young im Auftrag der amerikanischen National Association of Manufacturers aus dem letzten Herbst gelangt zu dem Ergebnis, dass von 528 befragten Industrieunternehmen lediglich 22% Kollaborations-Tools nutzen, um Produkte zu entwickeln oder Projekte voranzutreiben. Von diesen 22% seien alle zu dem Ergebnis gelangt, dass das bloße gemeinschaftliche Bearbeiten-Können von Dokumenten und das bloße miteinander Kommunizieren-Können von Anwendungen, die Produktentwicklung bzw. den Projektfortschritt nicht etwa beschleunigen, sondern verlangsamen.

Die Benefits, die ein Projektentwickler davon trägt, wenn er zum Zeitpunkt der Gebäudeplanung alternative Kostenszenarien des späteren Immobilienbetriebs in Abhängigkeit von gewählten Standorten, Grundrissen, Baustoffen, technischen Installationen, Lieferanten etc. durchspielen kann, liegen auf der Hand. Doch solange der Projektentwickler die Daten alle selbst mühsam recherchieren muss, gehen diese Vorteile zu Lasten seines Überstundenkontos und bieten wenig monetären Nutzen, selbst dann, wenn ihm die kollaborative Integration über den Browser das mühsame Eintippen und Sortieren der recherchierten Daten abnimmt. Attraktiv werden Kollaborationsangebote erst, wenn der Projektentwickler, sobald er auf eine Datenbank, sagen wir, kommunal ausgewiesenen Baulandes zugreift, automatisch alternative Grundstücks, Altlastensanierungs-, Lieferanten-, Vertrags-, Bauzeit-, Kaufkraft-, Steuer- und Mietszenarien als Entscheidungsgrundlage geliefert bekommt, wenn diese automatisch in Bauplanungs- und Immobilienbetriebsszenarien überführt werden und wenn so Entscheidungen vorbereitet werden, die schließlich zu standardisierten Requests for Information (RFI) bzw. Requests for Proposals (RFP), also Anfragen bei potenziellen Lieferanten und Partnern, führen.

In der Bau- und Immobilienbranche gibt es zahllose nationale wie internationale Player mit Kollaborationsofferten: Buzzsaw, Citadon, Bentley, conject, und, und, und… Sie alle bieten ihren Kunden die Möglichkeit, Dokumente kollaborativ zu bearbeiten und Projekte kollaborativ zu managen. Das ist zu wenig. Die Value-Proposition, wie es neudeutsch heißt, ist fragwürdig, der Wettbewerb intensiv und die Alleinstellungsmerkmale nicht erkennbar. Abgerechnet wird in MB gebrauchten Server-Volumens. Die Ratio Euro : MB bewegt sich im Nanobereich.

Es geht heute nicht mehr darum, beliebigen Anwendungen beliebiger Partner die nahtlose Kommunikation zu ermöglichen. Es geht darum, festzulegen, wann und wie diese Anwendungen automatisch mit wem kommunizieren. Wir sprechen nicht über Dokumente oder Projekte. Wir sprechen über die Loslösung branchenspezifischer, typischer Prozessketten, Business-Algorithmen, von branchenübergeifend verkauften Business-Anwendungen, wir sprechen über die Speicherung solcher Algorithmen in anwendungsunabhängigen Datenbanken und wir sprechen über die selektive Zugänglichmachung dieser Datenbanken für Netzwerk-Partner. Um dies möglich und vor allem akzeptiert zu machen, haben sich soeben 75 weltweit marktführende Technologieunternehmen zur Business Process Management Initiative (BPMI) zusammengefunden, darunter bekannte Namen wie Sun, Sybase, Nortel und HP. Microsoft arbeitet schon länger am sogenannten Biz Talk Server und auch IBM und HP laborieren schon seit geraumer Zeit an einer sogenannten Business Process Modeling Language (BPML). Wir sprechen also nicht über Zukunft, sondern über Gegenwart. Wenn sich anwendungsunabhängige Branchenalgorithmen erst einmal durchgesetzt haben, sind ihrem Erfolg keine Grenzen gesetzt. Bedarfsschöpfung wird zum Kinderspiel und Wertschöpfung zum Selbstläufer. Doch vor dem Preis kommt der Fleiß!

© 5/2001 Julian v. Hassell

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